zum Inhalt zur Navigation
In Nürnbergs Südstadt fängt es an. Barrierefrei durch Technik und Semantik.
.

Immer noch fremd? Migranten in der Südstadt. Südstadtgespräch am 23. April 2008

Bild Immer noch fremd? Migranten in der Südstadt. Südstadtgespräch am 23. April 2008 v.l.: Tülün Uluköylü, Dr. Carola Burkert, Deriya Celebi-Back, Johanna Myllymäki-Neuhoff,
Cahit Turan
Foto: Eberhard Schneider

Die Südstadt hat einen Migrantenanteil von 28,8%, ist also einer der Schwerpunktstadtteile mit Integrationsproblemen. Es gibt nach wie vor sprachliche und immer noch strukturelle und kulturelle Schwellen vor der Integration. Wenige voll integrierte Migranten stehen vielen mäßig integrierten gegenüber. Wir wissen nicht über welche Größenordnungen wir sprechen. Genaue Zahlen gibt es nicht.
Mit nicht integrierten Migranten können die deutschen Anbieter von Unterstützung in keinen Dialog kommen. Eine Idee die das Problem lösen könnte: Voll Integrierte können als "Türöffner" und Vermittler für die mäßig Integrierten fungieren.

.

Zum 60. Südstadtgespräch hatte Gottfried Rimmele, Leiter des Südtadtladens, eingeladen. Zum letzten Mal in die Steinheilstraße. Für Herbst 2008 ist der Umzug in den Südpunkt in der Pillenreuther Straße geplant.

Das Podiumsgespräch moderierte die interkulturelle Trainerin Deriya Celebi-Back. Es diskutierten: Die ehrenamtliche Bildungslotsin Tülün Uluköylü, Dr. Carola Burkert vom IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit), die Gerontologin Johanna Myllymäki-Neuhoff vom Klinikum Nürnberg und der selbstständige Dolmetscher und Sozialarbeiter Cahit Turan.

Leider wurde die Diskussion sehr frühzeitig vom Publikum dominiert, das etwas einseitig über die Sprach- und Berufs-Iintegration von Jugendlichen diskutieren wollte. Die große Gruppe der hier alt gewordenen Migranten mit immer noch schlechten Deutsch-Kenntnissen wurde nur von Johanna Myllymäki-Neuhoff und Cahit Turan angesprochen.
Turan: "Im Alltag mag man mit spärlichen Sprachkenntnissen durchkommen. Aber wie soll der Arzt feststellen ob er Ihnen eine Tetanus-Spritze geben darf, wenn er sich mit Ihnen nicht verständigen kann?"
Myllymäki-Neuhoff: "Ali geht nicht in den Altenclub." Viele Migranten der ersten Generation werden nun pflegebedürftig. Pflege wird kulturell bedingt oft als Familiensache betrachtet, auch dann wenn längst professionelle Unterstützung nötig wäre. Was aber tut man wenn die Betroffenen die Hilfsangebote gar nicht kennen?

Statistische Hintergründe lieferte Dr. Carola Burkert. Der Ausländeranteil im Bund beträgt 8 bis 9%, in Nürnberg 17,6%, in der Südstadt 28,8%. Die Statistiken sind jedoch nicht trennscharf, wenn man versucht die Situation von Migranten insgesamt zu beleuchten.
Cahit Turan berichtete, dass in Nürnberg 93.000 Ausländer leben. Aber weitere 80.000 Migranten haben bereits die deutsche Staatsangehörigkeit und werden statistisch zu den Deutschen gezählt.

Deutschland hat, so Dr. Carola Burkert, einen beruflich zertifizierten Arbeitsmarkt. Der Bildungsabschluss entscheidet maßgeblich über die Berufs-Chancen. Die Auswirkungen sind dramatisch beim Einstieg junger Menschen in das Berufsleben. So genannte bildungsferne Familien ohne Neigung der Eltern ihren Kindern bessere Start-Chancen als sich selbst zu geben, gibt es unter Deutschen wie unter Ausländern. Die Statistik zeigt jedoch dass die negativen Auswirkungen bei Ausländern stärker sind.

"Was fehlt noch in der Südstadt?" fragte Gottfried Rimmele in der Abschlussrunde.

  • "Die Altersarmut hat ein ethnisches Gesicht", so Johanna Myllymäki-Neuhoff. Bei vielen Migranten findet die Pflege traditionell nur im Familienkreis statt. Nötig sei der Aufbau von Netzwerken die zusätzliche Hilfsangebote machen und über Gatekeeper den Weg zu den Betroffenen finden.
  • Die Arbeitsagentur versucht die Betroffenen mit niedrigschwelligen Angeboten zu erreichen.
  • Tülün Uluköylü zählte allein sechs Projekte auf, an denen sie selbst beteiligt ist. Mehr Kraft und mehr Breitenwirkung für solche Projekte wäre gut.

Stand: 01.05.2008
Autorin/Autor: Eberhard Schneider

Zurück zur Übersichts-Seite

nach oben


Hauptnavigation


.