Buchsbaumhecken, vom Schnee weiß angestrichen, im Hummelsteiner Park.
Foto: Walter Pusch
Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür und mit ihr einige Ereignisse, viele Gedanken, mehrere Pflichten aber auch zahlreiche Chancen.
Die Winterzeit, die seit dem 25. Oktober wieder gilt, ist eigentlich die normale Mitteleuropäische Zeit. Astronomisch gesehen beginnt der Nordwinter mit der Wintersonnenwende - der Zeitpunkt, zu dem die Sonne senkrecht über dem südlichen Wendekreis steht und die Tage am kürzesten sind. Das ist bei uns der 21. oder 22. Dezember. Meteorologisch beginnt der Winter am 1. Dezember. Und phänologisch, das heißt, nach der Beobachtung von im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur, wie zum Beispiel der Beginn einer dauerhaften Schneedecke, kann der Winterbeginn noch einmal erheblich abweichen.
Laut Deutschem Wetterdienst beginnt der phänologische Winter bei der Wetterstation Nürnberg mit dem Blattfall der Stieleiche normalerweise rund um den 4. November. Er dauert im Durchschnitt 104 Tage, während der Frühling 101, der Sommer 87 und der Herbst sogar nur 73 Tage zählt. Von den vier Jahreszeiten ist der Winter also nicht nur von unserem Gefühl her die längste.
Bei klarem Wetter hat man im Winter auch raußen viel Spaß.
Spielplatz im Annapark.
Foto: Walter Pusch
In diesem Jahr hat sich der Winter bereits
Mitte Oktober mit dem ersten Schneefall
angekündigt. Auseinandersetzen muss man
sich mit ihm freilich schon viel früher. "Wie
steht der Heizölpreis und wie viel tanken
wir?", fragt man sich schon im Sommer.
"Passen Winterjacke und Stiefel noch und
wo ist der zweite Handschuh geblieben?",
ist spätestens im September die Frage.
"Wann müssen die Kübelpflanzen rein?",
heißt es, wenn sich die Blätter färben. "Haben
die Winterreifen noch genug Profil und
wer kümmert sich darum, sie aufzuziehen?",
ist spätestens nach dem ersten Frost zu klären.
Stets haben wir das bedrohende Gefühl im Nacken, handeln zu müssen, bevor es zu spät ist. Da hilft es auch nicht, dass wir alle zu Beginn der Winterzeit eine Stunde länger schlafen durften. Ist das vielleicht der Grund, weshalb man zwar von Vorfrühling, Hochsommer und Spätherbst spricht, aber Winter immer nur als Winter bezeichnet wird? Nach dem Motto, wenn er da ist, ist er da, da gibt’s keinen Pardon!
Wenn die Sehnsucht nach Sommer zu Groß wird: einfach mal ins süd.stadt.bad.
Foto: Walter Pusch
Trotzdem kann man dem Winter viele gute
Seiten abgewinnen. Und ob Sie es glauben
oder nicht, Menschen, die in warmen Ländern
leben, beneiden uns oft um Schnee
und Eis, die das Jahr und gewissermaßen
das Leben so deutlich gliedern, Sport- und
Spaßmöglichkeiten bieten, aber vor allem
auch eine einzigartige Atmosphäre zaubern
können.
Kinder freuen sich meistens auf den Winter. Endlich Schnee, je mehr, desto besser! Rodeln! Schneeballschlacht! Schneemann bauen! Vielleicht auch Schlittschuhlaufen und sich auf Skiern probieren. Da spielt es überhaupt keine Rolle, dass die Pegnitzauen keine Alpentäler sind und man die Bergstraße nicht mit dem Skilift hoch geht.
Ort und Alter spielen auch keine Rolle, solange die Fähigkeit vorhanden ist, auch mal innezuhalten. Es ist einfach faszinierend zu erleben, wie sich, völlig geräuschlos und innerhalb weniger Zeit, durch anhaltenden Schneefall unser Drumherum völlig verändern kann. Das kann man vom Bürofenster in der Humboldstraße genauso wie vom Küchenfenster in der Allersberger Straße, dem Balkon in der Wodanstraße oder dem Zimmer in der Sperberstraße aus verfolgen. Eben noch alles grau und nun alles weiß! Und, unabhängig von der christlichen Orientierung: Ein mit Lichtern geschmückter Weihnachtsbaum mitten in der Schneelandschaft hat eine magische Wirkung. Für viele ist daher Weihnachten erst "richtig", wenn es weiße Weihnacht gibt. Das Erlebnis, Heilig Abend in Äquatornähe oder auf der Südhalbkugel bei 40C Grad zu verbringen, hat manch einer hinter sich und möchte es keinesfalls wiederholen.
Winterzeit ist Märchenzeit. Das Petzenschloß liefert die Kulisse.
Foto: Walter Pusch
Da ist man froh, daheim zu sein. Vielleicht
mit Kuscheldecke und dicken Socken
und einem guten Buch. Oder bei einer
großen dampfenden Tasse Tee, Kaffee
oder Kakao. Bei Musik und Gesprächen.,
am besten bei Kerzenlicht, das jetzt mehr
wärmt als die heißeste Tropensonne. Mit
Freunden, die man schon viel zu lange
nicht mehr gesehen hat. Warum auch
nicht mal wieder bei einem Spieleabend?
Für alles, was jetzt drinnen mehr Spaß als
draußen macht, ist der Winter die ideale
Zeit. Wobei es selbst draußen verlockende
Angebote gibt: das Restaurant, das man
schon lange mal ausprobieren wollte. Das
Museum, für das im Sommer das Wetter
zu schön war. Der Besuch eines Konzerts:
zu keiner Jahreszeit gibt es so viele und so
gute! Und nicht zuletzt bei Glühwein und
Lebkuchen auf dem Christkindlesmarkt!
Ein kleiner Trost für alle, die dem Winter trotz allem keine guten Seiten abgewinnen können: Mit 89 Tagen ist er astronomisch gesehen auf der Nordhalbkugel vier Tage kürzer als auf der Südhalbkugel. Außerdem sind die Nordwinter wegen der Sonnennähe etwas milder als die Südwinter. Und die Sommerzeit, die übrigens 1980 eingeführt wurde und heuer zum 30. Mal endete, beginnt wieder am 28. März 2010.
Alles hat seine Zeit:
Winter und Sommer,
Herbst und Frühling,
Jugend und Alter,
Wirken und Ruhe.
(Johann Gottfried von Herder)
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